19.12.2021
Ortsbegehung der Freien Wähler bei dem problematischen ICE Standort Harrlach

 

Großes Interesse zeigten die Freien Wähler an dem heiß diskutierten Standort des geplanten ICE Werk mitten im streng geschützten Bannwald bei Harrlach. Gleich 5 Vertreter nahmen an einer Führung durch das Gelände teil: Stellvertretender Landrat und Bezirksrat Walter Schnell, Thomas Schneider (Kreisrat und Fraktionsvorsitzender), Hermann Kratzer (Kreisvorsitzender und Kreisrat), Sonja Möller (Stadträtin Roth und Kreisrätin) und Helmut Bauz (Kreisrat).

Gleich zu Beginn betonten Walter Schnell und Thomas Schneider, dass sie im Auswahlverfahren der Bahn erhebliche Defizite sehen. Es sei nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die Bahn zunächst 69 mögliche Standorte ausgewählt und diese dann auf 9 und letztlich nur 3 Standorte reduziert habe. Schließlich hat die Bahn bisher zu keinem einzigen der Standorte dargelegt, inwieweit diese den Bahn-eigenen Punktekatalog erfüllen – oder eben nicht. Es sei demzufolge sehr wahrscheinlich, dass Äußerungen von Ministerpräsident Söder einen erheblichen Einfluss auf den Auswahlprozess hatten. Um das Vertrauen der Bürger in die Verwaltungsprozesse wieder zu gewinnen, müsse, so forderte Schnell wie zuvor schon Landrat Eckstein, die Bahn bei Null beginnen. Dann könne in einem transparenten und politisch unbeeinflussten Verfahren, das ausschließlich nach sachlichen, überprüfbaren Fakten eine Auswahl trifft, der tatsächlich geeignetste Standort gefunden werden.

Vor diesem Hintergrund hat der Kreisrat €50.000,- für anwaltliche Beratung noch vor Beginn des Raumordnungsverfahrens bereitgestellt, wie Schnell die Bürgerinitiative bereits vorab informierte. Dies stieß natürlich auf große Zustimmung seitens der Harrlacher.

Bei dem anschließenden Rundgang zeigten sich die Gäste insbesondere vom Überblick von der Eisenbahnbrücke sehr beeindruckt, bei der die gewaltige Dimension des Werkes (3,2km in der Länge, 450m in der Breite) anschaulich wurde. Die Bürgerinitiative erklärte eingehend, dass bei Höhenunterschieden von bis zu 30 Metern in der Länge und 15 Metern in der Breite erhebliche Aufschüttungen nötig sind, um die erforderliche ebene Fläche zu schaffen. Wie hierbei die Abholzungen auf die 45 Hektar Werksgelände begrenzt werden sollen, bleibt fraglich.

 

 

Die Bürgerinitiative erläuterte ausführlich die vielen fachlichen Argumente, die gegen diesen Standort sprechen. So ist das gesamte Gelände nicht nur streng geschützter Bannwald, sondern auch Natura 2000 und Vogelschutzgebiet sowie Wassereinzugsgebiet und damit wesentlich für die Grundwasserneubildung. Ferner befinden sich hier zahlreiche ausgewiesene Biotope und ein Hochmoor. So bietet die hohe Wasserqualität des Finsterbachs streng geschützten Tierarten wie Neunaugen, seltenen Muschelarten und Edelkrebsen einen Lebensraum. Hinzu kommen die zahlreichen Belastungen für die Anwohner, wie ein rasant steigendes Verkehrsaufkommen, ein taghell erleuchtetes Gelände und massive Lärmbelästigung durch Huptests.

 

Die Gäste zeigten sich an den Ausführungen sehr interessiert, Insbesondere Schnell war von der Sachlichkeit und Kompetenz der Bürgerinitiative sehr angetan. Nach 1 ½ Stunden Rundgang bei ungemütlichen Winterwetter und Schnee kehrten die Gäste dann etwas durchgefroren, aber gut informiert wieder zurück.